Verantwortung braucht Vertrauen
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Unsachliche Berichterstattung
Unsachliche sowie teilweise auch unwahre Berichterstattung durch Funktionäre der Landwirtschaftskammer im Zusammenhang mit der Rücknahme des Entwurfes der Novelle zum Tiroler Jagdgesetz veranlassen mich als Vertreter der Tiroler Jägerschaft über die tatsächlichen Gründe unserer Ablehnung der Novelle auf diesem Wege zu informieren.
Mein vorrangiges Anliegen ist es, mehr Sachlichkeit in diese leider schon viel zu lange andauernde und auch unnötige Auseinandersetzung zu bringen. Ich habe bewusst auf Richtigstellung falscher Darstellungen bezüglich wild- und jagdrelevanter Themen, inklusive Gesetzesnovelle, in den Medien verzichtet, um nicht unnötig noch mehr Unruhe in die Sache hineinzubringen.
Wie schaut es tatsächlich in unseren Wäldern aus?
Die Tiroler Jägerschaft hat in den vergangenen Jahren eindrucksvoll und mit höchstem Einsatz bewiesen, dass sie (und nur sie!) willens und in der Lage ist, den Wildbestand zu regulieren. Noch nie wurden so viele Abschüsse getätigt wie in den vergangenen Jagdjahren. Die vor kurzem durchgeführten behördlich angeordneten Rotwildzählungen mit dem Ergebnis von 20.636 Stück Rotwild, haben gezeigt, dass a) die Reduktion in den vergangenen Jahren gegriffen hat und b) die Berechnung im Reimoser Gutachten (ca. 30.000 Stück Rotwild in Tirol) viel zu hoch lag. Natürlich werden wir in jenen wenigen Regionen, in denen es nach wie vor zu hohe Rotwildbestände gibt, unsere Aufgabe sehr ernst nehmen und die Bestände der Lebensraumverträglichkeit anpassen. Auch die bisher erfolgreichen TBC-Maßnahmen im Außerfern wurden durch Jagdpächter und Jägerschaft breit mitgetragen.
Österreichvergleich
Die immer wieder in den Vordergrund gestellten erhöhten Waldschäden durch Wild sehen in Wahrheit ganz anders aus. Die letzte ÖWI (Österr. Waldinventur) bringt sehr deutlich zum Ausdruck, dass der Waldzustand in Tirol im Österreichvergleich im positiven Spitzenfeld liegt! Nur allzu gerne verschwiegen wird, dass maximal ein Drittel aller Waldschäden dem Wild zuzuordnen ist. Von den nachhaltigen Fehlern der Forstwirtschaft der vergangenen Jahrzehnte spricht man überhaupt nie! Österreichweit sind 88 % aller möglichen Verjüngungshemmnisse nicht dem Wild zuzuordnen.
Die Tiroler Jägerschaft wird auch in Zukunft in höchstem Maße bemüht sein, die durch Wild verursachten Waldschäden so gering wie möglich zu halten. Dazu braucht es keine Gesetzesnovelle, sondern eine diesbezüglich hochmotivierte Jägerschaft! Von Fachleuten wurde das Tiroler Jagdgesetz 2004 wiederholt als das Beste in Österreich beurteilt. Es bemühen sich in Tirol 150 ehrenamtliche Funktionäre des Tiroler Jägerverband mit hohem Einsatz und enormem Zeitaufwand, den landeskulturellen Auftrag zu erfüllen. Die Rahmenbedingungen werden dabei ständig schlechter. Es sind auch die Pächter der 1.260 Reviere, die trotz dieser immer schwieriger werdenden Umstände gewaltige Beträge investieren.
Novelle brachte Überraschungen
Obwohl natürlich auch aus Sicht des Jägerverbandes das derzeitige Jagdgesetz ausreicht – es müsste nur konsequent vollzogen werden – hat der Verband den politischen Wunsch einer Novellierung nicht von vornherein abgelehnt. Zwei Jahre haben wir uns intensiv und konstruktiv in die Verhandlungen eingebracht. Als die geplante Novelle Mitte März zur Begutachtung an die verschiedenen Interessensgruppen verschickt wurde und damit erstmals der genaue Wortlaut feststand, trat bei unseren Experten Ernüchterung ein. Ein genaues Studium der vorgesehenen neuen Bestimmungen brachte überraschenderweise viel Neues. Im Entwurf der Novelle stehen Bestimmungen, die in den zweijährigen Verhandlungen nie so verhandelt, teilweise sogar überhaupt nicht angesprochen wurden. In den Erläuterungen der Novelle wurden sowohl die Forst- als auch die Grundeigentümerinteressen im Vergleich zu den Jagdinteressen überproportional berücksichtigt. So konnte der Tiroler Jägerverband diesem Entwurf einfach nicht zustimmen. Der Verband hat die berechtigten Interessen der Jagdpächter, die weidgerechte Jagdausübung und den Erhalt der hohen Standards der Jagd in Tirol zu vertreten und zu verteidigen. Mit den geplanten Bestimmungen wären diese wichtigen Werte gefährdet gewesen.
Anstatt Erleichterungen in der Jagdausübung und mehr Eigenverantwortung für den Einzelnen hätte diese Novelle mehr Verbote, Beschränkungen und Bewilligungspflichten gebracht. Eine potentielle Entwicklung, die es auch in Zukunft zu verhindern gilt. Der erhobene Vorwurf, die Funktionäre des Tiroler Jägerverbandes wären nicht bereit gewesen, Verantwortung zu übernehmen, ist völlig haltlos. Ganz im Gegenteil! Es bestand sogar sehr große Bereitschaft, umfangreiche Mehrarbeit freiwillig in Kauf zu nehmen. Nur muss ein mit Behördenaufgaben betrauter Bezirksjägermeister dazu sowohl mit den nötigen Kompetenzen ausgestattet werden, als auch das Vertrauen der Behörde genießen können. Durch die dem Verband vorher nicht bekannten Formulierungen rund um die Abschussplanung bestand die berechtigte Sorge vor willkürlichen Eingriffen der Behörde im Nachhinein in bereits von Bezirksjägermeistern bescheidmäßig erlassene Abschusspläne. Ein genehmigter Abschussplan sollte wohl ein Jahr halten!
Bitte um Unterstützung
Als Landesjägermeister richte ich an Sie, als wichtiger Entscheidungsträger im Lande, den dringenden Appell, dahingehend Einfluss zu nehmen, dass die Jagd in Tirol aus der Politik herausgehalten wird und die immer wieder zündelnden Interessensvertreter entsprechend eingebremst werden. Es ist höchste Zeit, der Jagd endlich jenen Stellenwert zu geben, den sie verdient. Noch einmal hervorheben möchte ich, dass die erfolgreichen Bestandsregulierungen der letzten Jahre auf Grundlage des bestehenden, gültigen Jagdgesetzes 2004 erfolgten. Dass wir eine Novelle wegen der vorübergehenden TBC in einem nur sehr kleinen Teil von Tirol brauchen, ist nicht nachvollziehbar. Nur wenige der insgesamt 1.260 Reviere sind betroffen. Die schwierige Arbeit der Jagdfunktionäre braucht dringend Ihre Unterstützung! Um diese darf ich Sie im Namen der 16.000 Tiroler Jägerinnen und Jäger ersuchen.
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